Was ist Remarketing und brauche ich das?
Remarketing (auch «Retargeting») bedeutet, dass Sie gezielt Werbung an Personen ausspielen, die Ihre Website bereits besucht oder Interesse an Ihrem Angebot gezeigt haben. Ziel ist es, diese Interessenten erneut anzusprechen und an Ihr Unternehmen zu erinnern, damit sie den Kauf oder die Anfrage abschliessen.
Warum ist das wichtig?
Die meisten Website-Besucher:innen kaufen oder buchen nicht beim ersten Besuch. Remarketing sorgt dafür, dass Sie im Gedächtnis bleiben und Ihre Zielgruppe genau dann wieder erreichen, wenn sie bereit ist zu handeln. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit für Abschlüsse deutlich.
Wie funktioniert Remarketing?
- Besuch und Datenerfassung:
Beim Website-Besuch wird (mit Einwilligung) ein sogenannter «Cookie» oder «Pixel» gesetzt, der anonym speichert, welche Seiten oder Produkte angeschaut wurden. - Zielgruppenbildung:
Daraus entstehen Gruppen, z. B. Personen, die:- ein Produkt angesehen haben
- den Warenkorb nicht abgeschlossen haben
- bereits gekauft haben
- Gezielte Werbung:
Diese Zielgruppen sehen anschliessend auf Plattformen wie Google, Facebook oder Instagram passende Anzeigen, die sie an Ihr Angebot erinnern.
Die Stufen des Remarketings
- Erinnerung: Personen, die Ihr Unternehmen kennen, werden erneut angesprochen.
- Vertiefung: Interessierte erhalten weitere Informationen oder Vorteile.
- Abschluss: Ziel ist der Kauf oder die Anfrage.
- Bindung: Bestehende Kund:innen werden für Wiederkäufe angesprochen.
Vorteile für Ihr Unternehmen
- Höhere Erfolgsquote bei gleichem Werbebudget
- Geringere Streuverluste, da nur Interessierte erreicht werden
- Stärkere Markenbekanntheit durch wiederholte Sichtkontakte
- Messbare Resultate und klare Erfolgskontrolle
Was genau ist der Unterschied zwischen B2B und B2C?
- B2B (Business-to-Business) bedeutet, dass Ihr Unternehmen andere Unternehmen als Kundschaft hat.
Beispiele: IT-Dienstleister, Beratungsunternehmen, Softwareanbieter, Agenturen. Hier sind die Entscheidungsprozesse meist länger, da mehrere Personen beteiligt sind (z. B. Geschäftsführung, Einkauf, Marketing). - B2C (Business-to-Consumer) bedeutet, dass Sie sich direkt an Endkund:innen richten.
Beispiele: Online-Shops, Fitnessstudios, Restaurants, Kosmetikstudios. Hier erfolgen Entscheidungen oft schneller und emotionaler.
Remarketing im B2B-Bereich
Beispiel: IT-Dienstleister für KMU
Ein IT-Dienstleister bietet Cloud-Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen an. Viele Website-Besucher:innen lesen die Leistungsseite, laden aber kein Angebot herunter.
So funktioniert das Remarketing:
- Ein Interessent besucht die Website und sieht sich die Seite «Cloud-Dienste für KMU» an.
- Der Besuch wird (mit Zustimmung) über ein Tracking-Pixel gespeichert.
- Der IT-Dienstleister zeigt dieser Zielgruppe in den folgenden Tagen gezielte Anzeigen auf LinkedIn oder Google Display mit dem Hinweis: «So schützen Sie Ihre Unternehmensdaten in der Cloud. Jetzt kostenlose Beratung sichern.»
- Der Interessent erinnert sich an das Unternehmen, klickt auf die Anzeige und vereinbart einen Gesprächstermin.
Vorteil:
Das Unternehmen erreicht gezielt Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, die bereits Interesse gezeigt haben. Der Streuverlust ist gering, und die Wahrscheinlichkeit eines Vertragsabschlusses steigt deutlich.
Remarketing im B2C-Bereich
Beispiel: Online-Shop für Sportartikel
Ein Schweizer Online-Shop verkauft Laufschuhe. Viele Besucher:innen legen Schuhe in den Warenkorb, kaufen aber nicht.
So funktioniert das Remarketing:
- Eine Kundin sucht neue Laufschuhe, besucht die Website und verlässt sie ohne Kauf.
- Sie sieht in den folgenden Tagen auf Facebook und Instagram Anzeigen mit genau dem Modell, das sie sich angesehen hat, z. B. «Ihr Lieblingsmodell ist noch verfügbar, jetzt 10% Rabatt sichern!»
- Durch diese Erinnerung kehrt sie zurück und schliesst den Kauf ab.
Vorteil:
Der Online-Shop gewinnt Kund:innen zurück, die bereits Interesse hatten, und steigert damit den Umsatz bei minimalem zusätzlichem Werbeaufwand.
Wann macht Remarketing keinen Sinn?
Remarketing ist grundsätzlich sehr wirkungsvoll, doch es gibt Situationen, in denen es wenig Nutzen oder sogar Nachteile haben kann. Entscheidend ist immer, wer Ihre Zielgruppe ist, welches Ziel Sie verfolgen und wie viele Website-Besuche Sie haben.
Nachfolgend die wichtigsten Fälle, in denen Remarketing nicht sinnvoll oder nicht nötig ist:
Wann macht Remarketing keinen Sinn:
- Wenn Ihre Website zu wenig Besucher:innen hat
- Remarketing funktioniert nur, wenn genügend Personen Ihre Website besuchen. Haben Sie pro Monat nur wenige dutzend Besucher:innen, lohnt sich der Aufwand für Remarketing nicht, da die Zielgruppe zu klein ist.
- Empfehlung: Konzentrieren Sie sich zuerst auf Reichweitenaufbau, etwa durch Google Ads, Social Media oder Suchmaschinenoptimierung (SEO).
- Wenn Ihre Zielgruppe sehr klein oder spezialisiert ist
- Bei sehr engen Nischen (z. B. technische B2B-Lösungen mit wenigen potenziellen Kunden) bringt Remarketing oft wenig, weil zu wenige Personen im Netz erreicht werden können.
- Hier ist direkte Kontaktaufnahme (z. B. E-Mail oder LinkedIn) oft wirksamer als automatisierte Werbung.
- Wenn Ihr Angebot nur einmalig genutzt wird
- Verkaufen Sie Produkte oder Dienstleistungen, die nur einmalig oder selten gekauft werden (z. B. Grabsteine, Umzugsservice, Hochzeitsfotografie), ist Remarketing nach dem Kauf kaum sinnvoll. Sie würden Werbung an Personen zeigen, die keinen Bedarf mehr haben.
- Wenn kein Vertrauen oder keine klare Botschaft vorhanden ist
- Remarketing kann nur funktionieren, wenn Ihr Angebot klar und glaubwürdig ist, fehlt eine verständliche Website, eine gute Nutzererfahrung oder Vertrauen (z. B. durch Bewertungen, Referenzen oder sichere Bezahlmöglichkeiten), wird auch wiederholte Werbung kaum Wirkung zeigen.
- Wenn die rechtlichen Grundlagen fehlen
- Remarketing setzt voraus, dass Website-Besucher:innen der Datenerfassung (Cookies) zustimmen. Ohne korrekt umgesetzte Datenschutzerklärung und Cookie-Hinweise dürfen Sie kein Remarketing betreiben. Fehlt diese Grundlage, kann dies rechtliche Konsequenzen haben.
- Wenn das Ziel unklar ist
- Remarketing braucht ein klares Ziel: Soll es den Verkauf fördern, Anfragen steigern oder die Markenbekanntheit erhöhen?
- Wenn Sie nicht wissen, was genau Sie messen oder erreichen wollen, ist es besser, zuerst Ihre Marketingstrategie zu definieren.
Die häufigsten Fehler beim Remarketing
- Zu kleine Zielgruppen:
Zu wenige Website-Besucher:innen, dadurch kaum Reichweite und Wirkung. - Unsaubere Zielgruppen:
Alle Besucher werden gleich angesprochen, ohne Rücksicht auf Interesse oder Verhalten. - Zu häufige Anzeigen:
Zu viele Wiederholungen wirken aufdringlich und schaden dem Markenimage. - Gleiche Botschaft für alle:
Fehlende Anpassung an den Entscheidungsstand der Zielgruppe (z. B. Informationsphase vs. Kaufabsicht). - Schwache Anzeigeninhalte:
Unklare Texte, langweilige Bilder oder kein erkennbarer Nutzen mindern die Klickrate. - Falsche Zielseite (Landingpage):
Anzeigen führen auf die Startseite statt direkt zum passenden Angebot. - Fehlende Erfolgskontrolle:
Keine klaren Ziele oder Messgrössen, dadurch kein Lerneffekt und keine Optimierung. - Datenschutz nicht eingehalten:
Remarketing ohne gültige Cookie-Einwilligung oder Datenschutzhinweise kann rechtliche Probleme verursachen. - Remarketing ohne Reichweite:
Wer kaum Website-Traffic hat, kann keine sinnvollen Remarketing-Kampagnen aufbauen.
Darauf müssen Sie beim Remarketing besonders achten:
- Genügend Website-Besucher:innen:
- Remarketing lohnt sich erst, wenn Ihre Website regelmässig besucht wird.
- Ohne Reichweite keine Zielgruppe.
- Saubere technische Einrichtung:
- Der Tracking-Pixel (z. B. von Google oder Meta) muss korrekt eingebaut und datenschutzkonform sein.
- Klare Zielgruppen-Definition:
- Sprechen Sie nicht alle gleich an. Unterscheiden Sie z. B. zwischen Warenkorbabbrechern, Interessierten und bestehenden Kund:innen.
- Ansprechende Anzeigen:
- Verwenden Sie klare Botschaften, gute Bilder und einen deutlichen Handlungsaufruf («Jetzt anfragen»).
- Richtige Häufigkeit:
- Zeigen Sie Ihre Werbung nicht zu oft.
- Zwei bis drei Sichtkontakte pro Woche reichen aus.
- Relevante Zielseiten:
- Führen Sie Interessierte direkt zur passenden Seite, nicht auf die Startseite.
- Erfolgskontrolle:
- Messen Sie laufend, wie viele Klicks, Anfragen oder Verkäufe Ihre Kampagnen bringen und optimieren Sie danach.
Brauchen Sie eine Agentur, um Remarketing zu betreiben?
Einfaches Remarketing können Sie mit etwas Einarbeitung selbst umsetzen.
Sie benötigen dazu:
- ein Werbekonto bei Google Ads oder Meta Business Manager,
- die Installation eines Tracking-Pixels auf Ihrer Website,
- klar definierte Zielgruppen und
- ansprechende Anzeigen.
Für komplexere Kampagnen, grössere Budgets oder mehrere Plattformen empfiehlt sich eine Agentur.
Diese übernimmt die technische Einrichtung, laufende Optimierung, Auswertung und sorgt dafür, dass alles datenschutzkonform und effizient läuft.
Nützliche Links zu Remarketing
- Kampagnen mit dynamischem Remarketing erstellen – offizielle Anleitung von Google Ads
support.google.com - Google Ads-Standard-Remarketing – technische Einrichtung über Google Tag Manager
support.google.com - Retargeting – Erklärung und Anleitung von Meta (Facebook/Instagram) Business-Seite
de-de.facebook.com - Was sind Custom Audiences auf Facebook? – Artikel von HubSpot über gezieltes Targeting mit Besucherdaten
blog.hubspot.de - Google Ads Remarketing: So richten Sie es ein – Schritt-für-Schritt Anleitung
adshero.de
Fazit: Remarketing erfolgreich nutzen
- Remarketing spricht gezielt Personen an, die Ihre Website bereits besucht haben
- Es steigert Wiedererkennung, Vertrauen und Abschlussrate
- Funktioniert nur mit genügend Website-Besucher:innen und sauberem Tracking
- Klare Zielgruppen und ansprechende Anzeigen sind entscheidend
- Nicht übertreiben, zu häufige Werbung wirkt störend
- Für einfache Kampagnen reicht Eigenumsetzung, bei komplexeren hilft eine Agentur